Welt Vegan Magazin
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Herr Fuchs und Frau Bär

Wer hinter der eher unscheinbaren Fassade des Ladenstudios an der Senefelderstraße am Prenzlauer Berg in Berlin mit einem etwas verruchten Ambiente rechnet, sollte seine Vorurteile überdenken.

Schon wenn man das Studio betritt, fällt einem sofort die Aufgeräumtheit und Sauberkeit auf. Ein paar antike Möbel, ein paar Bilder an der Wand und eine kleine Theke laden den Besucher gleich zum Wohlfühlen ein.

An der Theke begrüßt uns Chris. Nach ein paar Minuten kommt Nico aus einem der Hinterzimmer und bittet uns, ihm zu folgen.

Nico hat gerade seinen Kunden Jannik da, der, wie wir erfahren, schon seit längerem zu Nicos Stammkunden gehört und sich gerade ein Schiffstau, passend zu seinem maritimen Hautgesamtkunstwerk, auf die Schulter tätowieren lässt. „Zu einer doch so langlebigen Arbeit, und um jemanden so nah an sich ranzulassen, gehört Vertrauen.“

Deshalb sei er Nico zu seinem neuen Arbeitsplatz gefolgt, lässt uns Jannik wissen. Wir dürfen Nico ein wenig bei der Arbeit zusehen und erfahren, dass das ca. 80 qm große Studio vor der Eröffnung im März ein Nähstudio war und dass sie zu viert in dem Studio tätowieren, wobei Nico selbst ein bis zwei Tattoos am Tag fertigt.

Die Tätowierer bei Herr Fuchs und Frau Bär arbeiten ausschließlich mit veganen Materialien, was schon bei der Zeichnung der Skizzen oder der Rasur der Haut, auf der das Tattoo entstehen soll, anfängt.

Natürlich wird auch bei der Auswahl der Tätowierfarben darauf geachtet, dass kein Tier dafür leiden muss.

Tierische Farbbestandteile können sein: Schellack (gewonnen aus einer Lausart), Knochenkohle als Pigment oder auch Lanolin (Wollfett).

Das Glycerin im Lösungsmittel kann – muss aber nicht – ebenfalls aus tierischen Fetten hergestellt worden sein. In Deutschland gibt es seit 2009 eine Tätowiermittel-Verordnung, und somit besteht eine Kennzeichnungspflicht für Tätowierfarben.

Allerdings gilt diese Verordnung auch nur für Faben, die in Deutschland hergestellt wurden. Nico selbst lebt zu achtzig Prozent vegan und ist auf einem guten Weg, die letzten zwanzig Prozent auch noch zu gehen.

Ab dem 1. Juni spendet das Studio pro gefertigter Tätowierung fünf Euro an Tierhilfsorganisationen, wie PETA und Sea Shepherd, oder einem Tierheim in Berlin. Geht unter die Haut und hält ein Leben lang: Wir sind erfreut, dass auch in der Tattoo- Szene der vegane Gedanke Einzug hält.

www.facebook.com/HerrFuchsundFrauBär

Text: Sven Dehner