Welt Vegan Magazin
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Imke Schiersch

Die 1,85 m große ehemalige Profi-Triathletin aus Jever lebt seit einigen Jahren mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Spanien und Deutschland. Die wichtigste Arbeitsgrundlage der 44-Jährigen ist eine vollwertige, ausgewogene Ernährung.

WVM:Wie kamst du zu diesem Sport?

Imke:Zum Triathlon? Eine wirklich lange Geschichte. Anfangs war da neben vielem anderen das Reiten, Leichtathletik, Radsport in allen Disziplinen. Erst 1999 mit dem Sportwissenschaftsstudium und dem Umzug nach Nürnberg kam der Triathlon dazu. Es hat einfach Spaß gemacht, den doch sehr komplexen Sport mit all seinen Variationen – Mountainbiketriathlon, Sprinttriathlon u.a. – kennenzulernen.

WVM:Wie sieht eine Vorbereitung für dich aus?

Imke:Für mich ist es sehr wichtig, mit den Jahreszeiten auch Erholungsphasen einzubauen. Ich habe im Winter oft sehr wenig gemacht und meine Sozialkontakte gepflegt und andere Sportarten wie Langlauf betrieben. Da bleibt die mentale Stärke erhalten, und man geht auch eventuellem Übertraining aus dem Weg. Im Frühjahr kommen lange, langsame Trainingseinheiten und Krafttraining in das Programm. Mit kleinen Wettkämpfen wie Crossläufen oder Duathlons erwacht man aus dem Winterschlaf. Ein schönes Trainingslager im Süden mit Sonne ist auch immer sehr willkommen. Später kommen dann Vorbereitungswettkämpfe und spezifischeres Training wie Tempoläufe, das Trainieren der Wechsel (vom Radfahren zum Laufen z.B.), gefolgt von spezieller Vorbereitung auf die Distanz. Je näher der Wettkampf kommt, desto intensiver wird der Aufwand in Stunden pro Woche. In den wichtigen Wochen habe ich schon mal über 40 Stunden reine Trainingszeit auf dem Plan gehabt. Die Ernährung ist dabei sehr wichtig, da der „Motor“ sonst nicht lange gut funktioniert.

WVM:Wann hast du dich dazu entschieden, dich vegan zu ernähren?

Imle:Ich habe 1986 mit 16 aufgehört, Fleisch zu essen. Erstens hatte ich das Gefühl, dass es gut für mich ist; aber ausschlaggebend waren zweitens die Tiertransporte und die sich aneinanderreihenden Skandale über Tierfutter, Haltung und ähnliches. Die Milch verschwand Anfang 2000 aus meiner Nahrung, da vor allen Dingen die stark verarbeitete Milch meinen Puls um 20 Schläge pro Minute verringerte und ein Verschleimungsgefühl im Mund erzeugte. Eier hatte ich eigentlich kaum in meiner täglichen Ernährung. Ich habe nie darüber nachgedacht, wie ich meine Ernährungsform nenne, sondern ob sie nachhaltig ist und mich weiterbringt.

WVM:Wie hat sich die vegane Ernährung auf den Sport ausgewirkt?

Imke:Die Mangelerscheinungen sind sicherlich auf Grund der Vielfältigkeit meiner Ernährung auf ganzer Strecke ausgeblieben. Fleisch weg, Fisch weg, Milch raus usw., ja, das ist vegan. Mein täglich Futter aber ist vor allen Dingen reich an Enzymen, frisch, gar nicht oder so wenig wie nötig erhitzt. Außerdem ist es so gut wie glutenfrei, reich an Fetten aus Nüssen und Samen. Außerdem habe ich bemerkt, dass es für uns sehr wichtig ist, fermentierte Lebensmittel und Konzentrate zu uns zu nehmen. Denn wir sind zwar das, was wir essen, aber final nur das, was wir resorbieren! Meine Ernährung trägt dazu bei, dass ich seit Jahren verletzungsfrei im Zusammenhang mit Trainingsintensität bin. Auch mit wenig Training kann ich sehr gute Leistungen erbringen.

WVM:Hast du Rituale vor einem Wettkampf? Wer unterstützt dich?

Imke:Ich mache mir eine Liste, lege alles sichtbar auf einen Platz und gehe den Wettkampf in Gedanken durch. Gerade beim Langdistanztriathlon kann es einen zum Wahnsinn treiben, und da hilft nur die Routine und ein großes Zeitfenster. Zur Unterstützung sind bei den großen Wettkämpfen immer Freunde und Familie angereist. Das ist vor allem wichtig nach dem Wettkampf, um Emotionen abzufangen und Hilfe zu haben, wenn der Akku leer ist. Ansonsten sind da natürlich auch meine Partner in Sachen Sponsoring.

WVM:Gibt es eine Sache, ein Projekt oder eine Organisation, für die du dich einsetzt?

Imke:Ich arbeite als Consultant im Biobereich und spreche mittlerweile vier Sprachen gut. Diese Präsenz nutze ich dazu, über die Grenzen Brücken zwischen Produzenten von Rohmaterial – egal wie klein sie sind – und Herstellern zu bauen und leiste damit Entwicklungshilfe. Im Rahmen meines Sports konnte ich der Biobewegung eine authentische Kommunikationsplattform geben, was vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken angeregt hat. Ansonsten beteilige ich mich finanziell bei verschiedensten Organisationen. Für die Zukunft möchte ich mich gerne mehr für Bildung und gegen Armut von Kindern einsetzen.

WVM:Was glaubst du können Sportler durch ihr Engagement bewegen?

Imke:Jeder, der ein bisschen in der Öffentlichkeit steht, hat mehr Zuhörer. Ich denke, dass man durch sein Handeln Menschen in eine neue Richtung mitnehmen kann.

WVM:Was ist „wahrer Luxus“ für dich?

Imke:Freunde, Familie, sauberes Wasser und saubere Luft, gesunde frische Lebensmittel, viel Raum und eine lebendige Natur, Menschen, die mitdenken.