Welt Vegan Magazin
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Hollywoods schönste Seite

Es ist Sonntag nachmittags und ich stehe an der Theke meines Fitnessclubs. Nach einem ausgiebigen Training gönne ich mir einen Eiweißdrink und bemerke drei junge Frauen im Alter zwischen zwanzig und dreißig neben mir. Diese Gelegenheit nutze ich und zeige den sportlichen Ladys auf meinem Smartphone das mögliche Cover für die nächste Ausgabe.

Die Reaktion ist eindeutig. Wie aus einem Munde kam: „Oh, der ist so süß“. Und etliche andere Sprüche, die ich hier nicht zitieren darf. Egal wo und wie oft ich dieses Bild zeigte, das Ergebnis war immer gleich. Ein Lächeln auf den Lippen und ein Kompliment für Ryan Gosling. Auch die Männerwelt fand nur sympathische Worte für den in London, Ontario, geborenen Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Musiker.

Ryan Gosling war auch Teil des bekannten Micky Mouse Clubs. Hier spielte der gutaussehende Junge neben Justin Timberlake, Christina Aguilera und Britney Spears und machte seine ersten Schritte im Showbiz. Danach folgten einige Serien. Anfang des Jahrtausends spielte Gosling in Inside a Skinhead die Rolle des Jungen Danny Balint, der als Sohn US-amerikanischer Juden irgendwann mit der jüdischen Religion bricht.

Er mutiert zum neonazistischen Skinhead, dessen Hass sich vor allem auf Juden fokussiert. Der Film wurde auf dem Sundance Film Festival mit dem Jurypreis ausgezeichnet und war einer der Gründe, warum Hollywood fortan kräftiger an seine Tür klopfte. Der Schauspieler Ryan Gosling ist uns mittlerweile aus vielen erfolgreichen Hollywoodproduktionen bekannt und vertraut. Er spielt häufig spezielle Charaktere so authentisch, dass man ihm jede Filmfigur abnimmt. Sein natürliches Spiel erlaubt es ihm, sich seine Rollen und Regisseure aussuchen zu können. Sicherlich kommt ihm dabei gutes Aussehen, ein durchtrainierter Körper und sein freundlicher Umgang mit den Medien zugute.

Zudem hat Ryan Gosling eine starke Frau an seiner Seite. Mit der Schauspielerkollegin Eva Mendes ist er seit vielen Jahren liiert. Seit September vergangenen Jahres sind beide stolze Eltern ihrer bezaubernden Tochter Esmeralda Amada. Die ganz großen Auszeichenungen, wie einen Academy Award, durfte der charmante Kanadier noch nicht entgegennehmen. Doch man darf sich sicher sein, dies ist nur eine Frage der Zeit.

Aktuell findet man im Internet jede Menge Nachrichten und Posts zu Ryan Goslings offenen Brief an die US-amerikanische Großhandelskette Costco Wholesale. Motiviert durch das heimlich gefilmte Video der Tierschutzorganisation The Human Society, macht der Hollywoodstar mit Herz hier deutlich, dass die miserablen Bedingungen für Legehennen eine Grausamkeit darstellen, die nicht akzeptiert werden darf.

Doch nicht nur von dem Konzern fordert er ein Umdenken, nein, auch die Verbraucher sind in der Verantwortung und sollten selbstverständlich auf den Kauf von Käfigeiern verzichtenAllein dieser Brief hat uns motiviert, Ryan Gosling aufs Cover zu nehmen. Es ist ein hervorragender Anlass, um auf das Engagement vieler prominenter Persönlichkeiten und damit wohl Hollywoods schönste Seite aufmerksam zu machen. Denn nicht erst seit gestern nutzen die Stars aus Hollywood ihre Bekanntheit, um Organisationen zu unterstützen, die auf weltweite Hungersnot, Umweltverschmutzung und Tierleid aufmerksam machen. Auch die vegane Bewegung wird durch den bewussten Ernährungswechsel und grünen

Lebensstil vieler Promis gefördert. Da ist zum Beispiel die wunderbare Natalie Portman. Seit vielen Jahren hat sie sich einer gewaltlosen Lebens- und Ernährungsweise verschrieben und trägt weder Pelz noch Leder. Die einhundertprozentige Veganerin benutzt nur tierversuchsfreie Kosmetik und wurde von der PETA sogar mit einer eigenen Briefmarke geehrt. Selbst eine Modelinie für vegane Schuhe hat die zierliche Israelin kreiert und den Dokumentarfilm Tiere essen gedreht. Portman setzt sich auch für eine vegetarische Ernährung in den Schulkantinen ein. Schauspielkollege Jared Leto wurde wie der Musiker Xavier Rudd (siehe Interview in dieser Ausgabe) von der PETA zum Sexiest Vegetarian Celebritiy gewählt. Der Oscar-Preisträger und Frontman der Band 30 Seconds to Mars ernährt sich seit über zwanzig Jahren vegetarisch/vegan.

Fleisch und Milchprodukte sind für ihn tabu. Der heute strikt vegan lebende Künstler engagiert sich für zahlreiche Tierschutz- und Umweltorganisationen. Sein aktueller Einsatz gilt Südafrika. Der Kampf gegen Wilderei und illegalen Artenhandel ist das erste Thema, für das er sich beim World Wildlife Fund stark macht. Der Präsident der WWF USA Carter Roberts drückt das so aus: „Wir brauchen starke Stimmen im Kampf gegen die Wilderei und sind Jared Leto sehr dankbar für seine Unterstützung.

Wenn wir Nashörner, Elefanten und andere Arten von entscheidender Bedeutung nicht verlieren wollen, müssen wir die Welt jetzt wachrütteln.“ Auch Miley Cyrus ist seit langem bekannt für ihr Engagement im Bereich Tierschutz. Bereits mit sechzehn Jahren wurde sie für ihren Einsatz ausgezeichnet und wird bis heute nicht müde, auf die verheerenden Umstände in der Massentierhaltung hinzuweisen.

Als mitfühlende Mitbürgerin erhielt sie einen Compassionate Citizen Award. Obwohl Miley Cyrus ihr Krawallimage pflegt, lebt die 22-jährige Musikerin erstaunlich bewusst und verzichtet komplett auf alle tierischen Produkte. Ihre Fans lieben sie nicht nur wegen der außergewöhnlichen Stimme, sondern auch wegen ihrer provokanten und selbstbewussten Art. Diese führte nicht nur zu ihrem Erfolg, sondern wird von der Powerfrau auch dafür eingesetzt, um andere Menschen wachzurütteln.

Wo wir schon beim Wachrütteln sind, will ich einen Sprung nach Phoenix wagen oder besser gesagt zu Phoenix, Joaquin Phoenix. Der spätestens seit Walk the Line aus dem Jahr 2005 einem größeren Publikum bekannte Hollywoodstar, bekennender Veganer und Tierrechtsverfechter, gab dem Film Earthlings seine Stimme. Welche Qualen Milliarden Fische jährlich erleiden, demonstriert der Star eindrucksvoll in einem 46-sekündigem Kurzvideo auf You- Tube.

Phoenix verzichtet auch auf Kleidung aus tierischen Materialien und verleiht seiner Überzeugung nicht nur dadurch Ausdruck. In einem Filmprojekt der PETA, welches noch unbetitelt ist, übernimmt er die Hauptrolle. Der Film deckt die alltägliche Praxis in chinesischen Hundelederfabriken auf. Bis zu zweihundert Hunde werden in solchen Fabriken täglich für Handschuhe oder andere Accessoires, bestimmt für den globalen Exports, vor ihrem Tod auf grausamste Art behandelt und gehäutet. Joaquin Phoenix sagt in dem Dokumentarfilm: „Das Material, das ihr über Chinas Hundelederhandel sehen werdet, ist eines der schlimmsten Dinge, die ich je gesehen habe. Wenn du Lederhandschuhe, Gürtel oder Schuhe kaufst, erinnere dich daran, dass es nicht so einfach zu sagen ist, in wessen Haut du wirklichsteckst.

Wenn du Hunde so liebst wie ich, dann, bitte, kaufe oder trage nie Leder, ob es nun von einem Hund stammt, von einer Kuh oder einem anderen Tier.“ Es gibt viele Möglichkeiten, um sich dem Leid der Tiere oder der Umweltverschmutzung zu widmen. Beyonce Knowles beispielsweise möchte ihre Fans mit einem Lieferservice zum Umdenken verhelfen. Nachdem die Ausnahmekünstlerin und eine der reichsten Musikerinnen der Welt selbst eine mehrtägige Vegankur erleben durfte, war sie so begeistert und kam zu der Erkenntnis: Wenn ich das kann, kann es jeder.

Mit ihrem Physiologen Marco Borges entstand das Konzept 22 Days Nutritition. Das Konzept des Lieferservices bezieht sich auf die Annahme, dass es 21 Tage braucht, um alte Gewohnheiten umzuprogrammieren und neue Verhaltensweisenanzunehmen. Günstig ist das Angebot wahrlich nicht. Für ein 22-Tage-Programm werden 630 Dollar fällig. Aber wenn es denn funktioniert und man auf den Geschmack kommt, tierproduktfrei zu essen, dann kann man sein Geld kaum optimaler anlegen. Nein, es ist keine Voraussetzung, prominent oder berühmt zu sein, um den Tieren und unserer Umwelt ein Retter zu sein.

Doch es ist ein wunderbares Instrument, welches eingesetzt werden kann und von den meisten verstanden wird. Denn Vorbilder nimmt sich ein jeder selbst. Denn Menschen und Künstler, die sich einbringen und ihre Stimme erheben, sind eine große Bereicherung für diesen Planeten und ein Grund zur Hoffnung. Mögen sie Millionen als Beispiel dienen!

 

Text: Markus Megyeri

Fotos Getty Images