Welt Vegan Magazin
  • facebook icon
  • instagram icon

Benny Adrion

Viva con Agua Genau vor zehn Jahren war Benjamin Adrion mit dem FC St. Pauli im Trainingslager auf Kuba und kam dabei mit der schwierigen Trinkwassersituation, insbesondere auch in Kindergärten, in Berührung. In dieser Zeit fasste Benny den Entschluss, den Fußball etwas in den Hintergrund und die Vision WASSER FÜR ALLE in den Vordergrund zu rücken. Die Geburtsstunde von Viva con Agua! Mittlerweile hat das VcA-Netzwerk über 8.000 ehrenamtliche Supporter in über 45 europäischen Städten. Heute treffen wir Benny zum Gespräch.

WVM: War es eine schwierige Entscheidung für dich, deine Profikarriere als Fußballer, auch im Hinblick der finanziellen Absicherung, für eine gemeinnützige Arbeit aufzugeben?

BA: Mir war schon damals, als die Entscheidung zur Gründung von Viva con Agua anstand, durchaus bewusst, dass ich die Million allein mit dem Fußball nicht mehr verdiene. Natürlich stellt man irgendwann fest, dass man sich einen Job ausgesucht hat, der zwar total viele Qualitäten hat, aber sich finanziell nicht so bezahlt macht wie ein Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft. Ich werde sicherlich mein Leben lang Viva con Agua machen, aber es kann auch sein, dass ich irgendwann einen Teil meiner Zeit dafür verwenden muss, meine Altersversorgung zu sichern. Das ist natürlich momentan noch nicht drin! Umso mehr freut es mich, dass wir 2014 erstmalig die magische 1-Million-Spendenmarge knacken konnten – Spenden, die so unserer Vision einer Welt ohne Durst beziehungsweise den Wasserprojekten der Welthungerhilfe direkt zufließen.

WVM: Viva con Agua hat sich für alle Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser auf die Fahne geschrieben. Wie ist die Lage?

BA: Die Zahlen sagen: 1,2 Milliarden Menschen hatten vor zehn Jahren keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und heute sind es 750 Millionen. Die Entwicklung ist gerade im Wassersektor recht positiv. Und für uns ist der Zugang für alle Menschen zu sauberem Trinkwasser keine Utopie, wir wollen das wirklich schaffen. Über 30 Prozent in den letzten zehn Jahren, mal schauen, wo wir in 25 Jahren stehen.

WVM: Inwieweit spielt der vegane Gedanke eine Rolle bei eurem Trinkwasserprojekt?

BA: Ein inhaltlicher Schwerpunkt unserer hiesigen Projektarbeit ist das sogenannte virtuelle Wasser, also das Wasser, was zur Erzeugung eines Produktes aufgewendet wird. Wenn wir z.B. in die Schulen gehen, wollen wir nicht so sehr über Wasserprivatisierung sprechen, sondern wir wollen dann über virtuelles Wasser sprechen, weil das in unserem Wasserkontext die wirkungsvollste Möglichkeit ist, auch schon Kindern klarzumachen, wie man am effektivsten Wasser sparen kann. Wenn man hier in Hamburg z.B. beim Zähneputzen den Wasserhahn zudreht, ist das vielleicht gut für das Bewusstsein, aber man spart definitiv kein Wasser, weil dann die Rohre noch einmal vom jeweiligen Wasseranbieter gespült werden, damit diese nicht verkalken. Wenn man allerdings auf sein Konsumverhalten achtet, kann man sehr viel Wasser sparen. Insbesondere der Fleischkonsum verbraucht sehr viel Wasser. Ein Kilogramm Rindfleisch steht z.B. für ca. 15.000 Liter virtuelles Wasser. Deswegen ist Fleischverzicht nicht nur wegen der CO2-Emissionen gut für die Umwelt, sondern auch gut für den weltweiten Wasserverbrauch.

WVM: Das Thema „virtuelles Wasser“ spielt aber eher in der hiesigen Aufklärungsarbeit eine Rolle, oder?

BA: In der Tat, wir entscheiden uns frei und können bewusst unseren Fleischkonsum reduzieren. In den Ländern, in denen wir mit unseren Projekten unterwegs sind, geht es eher darum, dass die Leute etwas zu essen haben. Da spielt der vegane Gedanke vorerst keine Rolle. Was ich hier so krass finde, ist die industrielle Produktion, obwohl ich nicht abstreiten kann, dass ich nicht auch ein Rädchen in diesem System bin. Aber ich finde es schon ein wenig pervers, wenn die Supermärkte etwa 30 Prozent der Nahrung einfach wegschmeißen, so dass so immens viel von der produzierten Ware nicht gegessen, sondern einfach vernichtet wird.

WVM: Bist du vegetarisch oder vegan?

BA: Ich bin weder vegetarisch noch vegan. Ich achte aber schon auf meine Ernährung. Ich esse nicht jeden Tag Fleisch und versuche, meinen Fleischkonsum zu reduzieren und mich bewusst zu ernähren. Ich habe in meiner Vergangenheit als Sportler immer gern und gut Fleisch gegessen, bin aber mittlerweile dabei, immer mehr Wert auf meine Ernährung zu legen. Mein Bewusstwerdungsprozess, was Ernährung angeht, steht allerdings noch ziemlich am Anfang.

WVM: Du bist praktizierender Buddhist. Beeinflusst das nicht auch deinen Fleischkonsum?

BA: Ich bin da – ehrlich gesagt – ein wenig scheinheilig. Ich hätte ein echtes Problem damit, selber an ein Tier Hand anzulegen. Bei einer Brunneneröffnung vor ein paar Jahren in Äthiopien wurde uns zur Feier des Tages eine Ziege geschenkt, die ich mit einem Messer erledigen sollte, was ich aber einfach nicht machen konnte und was schließlich zu kulturellen Verstimmungen geführt hat. Als ich irgendwann letztes Jahr mit einem Kumpel Fischen war und ich einen Hecht rauszog, den ich dann wieder freilassen wollte, was leider nicht ging, da der Hecht den Haken zu tief in sich trug, musste mein Kumpel den Fisch erlegen, und für mich war klar, dass selbst Fischen zu brutal ist. Also ich habe wirklich ein Problem damit, selber Hand an ein Tier anzulegen, doch beim schon vorgefertigten und abgepackten Stück Fleisch im Kühlregal fehlt mir die Assoziation mit dem leidenden Tier. Vielleicht wäre es hilfreich für alle, einmal den Tötungsprozess eines Tieres live mitzuerleben, und das nicht nur im Fernsehen, sondern wirklich auf dem Schlachthof. Ich denke, das würde den Fleischkonsum erheblich senken.

WVM: Dennoch haben wir in der westlichen Welt die Wahl. Es gibt mittlerweile für alles Alternativen.

BA: Man muss schon unterscheiden, ob es sich um Massentierhaltung handelt oder um z.B. Naturvölker, die das Fleisch brauchen und keine Alternativen haben, um sich und die Familie durchzubringen. Ich denke, ein wichtiger Aspekt ist, mit welcher Geisteshaltung man durchs Leben geht. Wenn man Fleisch verzehrt, sollte man dem Tier oder auch anderer Nahrung mit Wertschätzung und Dankbarkeit begegnen – was ich auch bereits bei meinem Sohn kultiviere. Ich bin auf jeden Fall auf der Seite der Veganer, weil ich diese Haltung aus verschiedenen Gründen, vom ethisch-moralischen Aspekt bis zum Umweltschutz, für sinnvoll erachte.

WVM: Was können unsere Leser tun, wenn Sie Viva con Agua unterstützen möchten?

BA: Auf jeden Fall in Bezug auf das virtuelle Wasser nicht so viel Fleisch essen. Wenn man Lust hat, unserem Netzwerk beizutreten, kann man sich unter pool.vivaconagua.org in eine Supporterdatenbank eintragen und bekommt Infos über gemeinsame Projekte, an denen man teilnehmen kann. Aber auch auf der Suche nach regelmäßigen Spendern und Fördermitgliedern sind wir jederzeit! Informationen dazu gibt es auf unserer Webseite www.vivaconagua.org.

 

Das Interview führte Sven Dehner