Welt Vegan Magazin
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Steffen Groth

Es verwundert nicht, dass der in Berlin geborene Schauspieler Steffen Groth auch heute mit seiner Freundin Anna und seinem jüngsten Kind in der Hauptstadt lebt. Berlin war schon immer ein begehrter Wohnort für Künstler aller Art und so tummeln sich dort auch zahlreiche bekannte Gesichter aus dem Schauspieler-Metier. Wir treffen Steffen Groth bei einem seiner Aufhalte in Hamburg und können uns dabei von der angenehmen Art und ruhigen Ausstrahlung des Mimen überzeugen.

Zum Interview kommt der 43-jährige vegan lebende Vater von drei Kindern bekleidet mit einer lässigen Jeans und einer grauen Baumwolljacke. Er wirkt sehr entspannt, als könnte ihm nichts und niemand etwas anhaben. Bekannt wurde Steffen durch seine Auftritte in unzähligen Fernsehproduktionen und Kinofilmen. Aufgrund seiner ansprechenden, sportlichen Erscheinung spielt er häufig die Rolle des charmanten Liebhabers und Frauenhelden.

Er ist auf diesen Charakter jedoch nicht festgelegt und kann viele Typen spielen. Im Laufe der Zeit hat er sich in den verschiedensten Rollen gezeigt. Sein Fernsehdebut liegt inzwischen knapp zwanzig Jahre zurück, man kann ihn also durchaus als alten Hasen bezeichnen, er weiß, wie sich die Rädchen in seinem Geschäft drehen. Der sympathische Berliner ernährte sich bereits knapp 20 Jahre vegetarisch, als er sich vor ein paar Jahren komplett auf die vegane Lebensweise einließ. Er hat sich schon viel mit dem Thema Ernährung beschäftigt und kocht leidenschaftlich gerne.

Dass er noch keinen „richtig guten“ Ersatz für Käse gefunden hat, hält ihn nicht davon ab, die vegane Bewegung zu unterstützen und zu promoten. Er engagiert sich für Hilfs- und Tierschutzorganisationen wie CARE und PETA, fördert Projekte, die Jugendlichen eine bessere Zukunft ermöglichen sollen und macht darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass endlich weltweit Frieden einkehrt. Dabei wird Steffen Groth niemals müde, an sich selbst zu arbeiten und anderen eine Stütze zu sein. Im Interview erzählt uns Steffen ganz offen, dass er es langsam aber sicher satt hat, dass das Thema Tierschutz in unserer Gesellschaft gerne mal beiseite geschoben wird. Derzeit ist Steffen Groth in der Rolle des Schwerenöters Nico im Kinofilm „Die Welt der Wunderlichs“ zu sehen.

 

Interview mit Schauspieler Steffen Groth


WVM: Du warst lange Zeit Vegetarier, bevor Du Dich für vegan entschieden hast. Wie kam es dann schließlich dazu? Gab es einen Schlüsselmoment?

Steffen: Irgendwie sage ich immer, dass ich mich vielleicht mit den „falschen Leuten“umgeben habe (grinst). Ich hatte damals Kontakt mit den Veganz Gründern Jan Bredack und Juliane Kindler. Als ich den beiden sagte, dass ich aus ethischen Gründen Vegetarier bin, haben sie mir relativ schnell aufgezeigt, dass ich ethisch mit Vegetarismus nicht so richtig gut fahre. Sie haben mich mit Filmchen über Milchtierhaltung und Milcherzeugung versorgt. Da habe ich dann direkt in den Sauren Apfel gebissen und bin Veganer geworden. Ich finde nämlich leider Käse nach wie vor sehr lecker.

WVM: Hat das auch zu weiteren Umbrüchen bei Dir geführt?

Steffen: Die Erweiterung auf vegan eigentlich nicht. Meine Sinnkrisen hatte ich ja schon weit vor dieser Zeit. Die haben mich dann damals auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der allgemeinen Frage nach dem Sinn des Lebens und in der Konsequenz zu der Beschäftigung und dem privaten Studium der Weltreligionen geführt. Das hat mich dann letztendlich auch dahin gebracht, dass ich nichts mehr in meinen Körper packen wollte, das mein Bewusstsein verändert. Gleichzeitig habe ich den Ansatz der Gewaltlosigkeit aus dem Buddhismus ernst genommen und hab mich also bemüht, keinem Mensch und keinem Tier mehr zu schaden. Ich habe aufgehört mit Fleisch, Fisch und Eiern und lebe seit nunmehr 16 Jahre komplett Drogen-frei. Kein Alkohol, keine Zigaretten und auch sonst nichts (grinst).

WVM: Und dann bist Du Juliane und Jan begegnet?

Steffen: Ja! Ich habe den beiden von meinen Überlegungen erzählt. Sie haben mir wie gesagt die Augen geöffnet und haben mir einige gute Ersatzmöglichkeiten für meinen geliebten Käse gezeigt. „Ich bin ein begeisterter Koch!“

WVM: Wie ist es heute? Kochst Du regelmäßig selbst?

Steffen: Ich bin ein begeisterter Koch! Da ich ja rein geschmacklich bekennender Fleischfan bin, versuche ich schon seit 1998 den Geschmack von Fleisch zu imitieren. Das geht inzwischen auch echt super. Käse ist für mich leider nach wie vor eine Baustelle. So viele gute Alternativen gibt es da ja immer noch nicht. Wobei: Tollen „Streichkäse“ gibt es schon, zum Beispiel aus Lupinen.

WVM: Du bist Vater von drei Kindern. Ernährt sich Deine gesamte Familie vegan?

Steffen: Meine Tochter ist Vegetarierin und mein Sohn auch. Er mag keine Milch und isst nur selten Käse. Daher ist er eigentlich fast Veganer. Er würde allerdings zum Beispiel ein Gericht essen, in dem Sahne verarbeitet wurde oder Pizza mit Käse. Die sollen von mir aus essen, was sie möchten. Natürlich entwickeln sie durch meine Art der Ernährung ein Bewusstsein. Ich finde es gut, dass sie jetzt schon ein Gefühl für derartige Dinge entwickeln, aber ich würde ihnen zum Beispiel die ekligen Filme nicht zeigen, die ich damals gesehen habe. Vielleicht, wenn sie älter sind und selbst danach fragen.

WVM: Wie Du eben schon kurz beschrieben hast, waren es für Dich ja nicht nur die leckeren veganen Lebensmittel, die Dich überzeugt haben, sondern vor allem auch die Fakten?

Steffen: Ja. Besonders zwei Filme zum Thema Milcherzeugung haben bei mir den Schalter umgelegt. Ich dachte mir sofort „Das kann ich einfach nicht mehr machen!“Inzwischen mischt sich da sogar ein richtiges Gefühl von Ekel mit rein. Ich stelle mir immer vor, dass in jedem Glas Milch auch immer ein gewisser Prozentsatz an Eiter steckt, das wird ja auch ganz klar immer wieder nachgewiesen. Mal ganz ehrlich, das ist doch pervers, oder?

WVM: Dann ist das Thema Milch wohl ein besonders wunder Punkt bei Dir?

Steffen: Na ja, wunder Punkt ist jetzt vielleicht ein Bisschen übertrieben. Aber klar: Was macht es denn bitte für einen Sinn die Wachstumsflüssigkeit einer anderen Spezies zu trinken? Das ist für mich schon ein merkwürdiger Gedanke! Grundsätzlich ist es aber nicht nur die Milch, sondern schon das Gesamtpaket aus Haltung, Zucht und dem Umgang mit den Tieren.

WVM: Wie weit reicht für Dich das Thema vegan und Nachhaltigkeit? Du kaufst dann sicher auch vegane Kleidung, Kosmetik und Reinigungsmittel, oder?

Steffen: Also ich empfinde es selbst schon als ein Bisschen merkwürdig, dass ich meine alten Ledersachen von früher noch habe. Andererseits wäre für mich wegschmeißen noch weniger nachhaltig. Ich kaufe mir allerdings nichts Neues mehr aus Leder. Ich finde den Gedanken beunruhigend, die Haut von einem anderen Lebewesen als Teil meiner Kleidung zu tragen. Ich muss gestehen, dass ich das alte Zeug auch nicht mehr so gerne anziehe. Das hier (deutet auf seinen Gürtel) ist zum Beispiel ein Gürtel aus Echtleder. Für Frauen ist das echt schwierig, oder? Ich finde, es gibt kaum richtig schöneDamenschuhe aus Kunstleder. Ich habe zum Beispiel auch ewig nach einem passenden Portemonnaie gesucht. Zum Schluss bin ich dann im Netz bei „Matt & Nat“ gelandet. Da müsst Ihr Euch auch mal umschauen, die haben echt tolle Sachen. Es gibt zum Beispiel auch richtig schöne Handtaschen.

WVM: Findest Du, dass sich in Sachen vegane Mode noch mehr tun muss?

Steffen: Wie gesagt, vor allem in Sachen Kunstlederschuhe habe ich bisher noch nichts wirklich Schönes gefunden. Da müssten sich echt mal ein paar gute Designer dransetzten. Im Sneaker-Bereich zum Beispiel gibt es ja schon lange Alternativen und das auch von großen Designern wie Stella Mc Cartney für Adidas zum Beispiel.

WVM: Steffen, Du bist eine Person, die in der Öffentlichkeit steht. Sagst Du Deine Meinung, beziehst Du Position und sendest eine Botschaft. Natürlich kann das auch zu einem Branding führen. Dieses „Ich bin Veganer“ hatte das für Dich schon mal Nachteile?

Steffen: Ich weiß nicht (lächelt). Mein Problem ist doch sowieso, dass ich ein relativ extremer Typ bin. Ich trinke ja zum Beispiel auch keinen Alkohol und das gehört in meinem Geschäft eigentlich leider immer noch zum guten Ton. Ich bin einfach eine riesige Spaßbremse (grinst). Die Leute, die mich kennenlernen, merken dann aber mit der Zeit schon, dass man mit mir auch ohne Alkohol eine gute Zeit haben kann.

WVM: Wie sind die Reaktionen, wenn Du es ansprichst, dass Du Veganer bist? „ Die Menschen sind skeptisch, aber auch neugierig!“

Steffen: Also erst mal vorneweg: Ich bin der Meinung, dass übertriebenes Sendungsbewusstsein echt ätzend ist. Ich laufe daher nicht herum und muss jedem auf die Nase binden, wie ich so lebe. Bei Euch kann ich halt mal sagen, was ich wirklich denke, weil Euer Magazin sehr kontextbezogen ist. Aber klar führe ich natürlich dennoch häufig Gespräche über meine Lebensweise. Dabei gibt es zwei typische Arten von Reaktionen, die ich immer wieder erlebe. Entweder wissen die Leute ab einem gewissen Punkt nichts mehr mit mir anzufangen oder, überspitzt gesagt, sie fange an, sich bei mir auszuheulen. So nach dem Motto „Ich sollte echt mal weniger trinken.“und „Ich sollte eigentlich auch weniger Fleisch essen.“. Manchmal denke ich mir dann schon „Warum erzählst Du mir das? Mach doch einfach das, was Du denkst und ich mache, was ich mache.“ Wenn allerdings jemand aus echtem Interesse fragt, sind daraus schon wirklich schöne Gespräche entstanden. Alles in allem kann man sagen, dass die Menschen skeptisch, aber auch neugierig sind.

WVM: Wir alle kennen die Bilder aus Deiner PETA-Kampagne. Du warst richtig gut angezogen, Kompliment! PETA ist ja bekannt dafür, mit nackten Aktivisten auf die Missstände im Umgang mit Tieren aufmerksam zu machen. Würdest Du das auch tun? Dich für eine Tierrechts-Organisation entkleiden? Hast Du da vielleicht sogar schon mal drüber nachgedacht?

Steffen: Ich glaub nicht. Wer will denn das auch sehen (lacht). Außerdem sagt mir meine PR-Agentin manchmal auch, dass ich nicht ständig für irgendeinen guten Zweck werben soll. Das könnte beliebig wirken und damit für die Sache eher weniger förderlich sein. WVM: Was macht einen guten Menschen aus? Steffen: Ich denke, das Bewusstsein. Ein Geist der Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Umweltbewusstsein und ein freundlicher Umgang mit anderen. Also in Kurzfassung (grinst).

WVM: Ein Blick in die nahe Zukunft, wie geht es bei Dir weiter?

Steffen: Ich schließe jetzt erst mal die Kinotour für den Film „Die Welt der Wunderlichs“ab, in dem ich eine der Hauptrollen spiele. Dann entwickle ich gerade eine Serie über das Thema Radikalisierung im Islam und habe dazu Gespräche mit Produktionsfirmen und Sendern. Am 20. Oktober bin ich in einer Talkshow. Im Vorfeld wurde ich gefragt, ob es ein Thema gibt, das mir besonders wichtig ist. Ich habe ganz spontan gesagt, dass ich gerne über den Film „Cowspiracy“ sprechen möchte (Sehr guter, veganer Aufklärungsfilm, Empfehlung der Redaktion!) . Ich fand das sehr nett, dass ich gefragt wurde.

WVM: Der Film ist Dir besonders wichtig?

Steffen: Der Film zeigt auf unglaublich spannende und unterhaltsame Art und Weise Fakten über die Tierhaltung auf. Er ist wirklich super aufbereitet und verblüffend. Ich habe daraus zum Beispiel gelernt, dass für die Herstellung eines normalen Fleisch-Patties für einen Hamburger so viel Wasser benötigt wird, dass man damit einenkompletten Monat duschen könnte. Das ist doch wirklich unglaublich. Beeindruckend fand ich auch, dass die für die Fleischindustrie gehaltenen Tiere täglich eine derart große Menge an Ausscheidungen produzieren, dass man damit die Fläche von fünf Weltmetropolen komplett bedecken könnte. New York, Delhi, LA, Paris und Toronto würden komplett versinken. Jeden Tag entsteht ein See von Exkrementen und im Radius von fünf Kilometern drum herum stirbt der Wald ab, weil der Boden so ätzend ist. Ich habe mit meinem kleinen Sohn darüber gesprochen, als wir auf dem Balkon gesessen haben. “Stell Dir vor, alles ist voller Scheiße - und dieses Wort dürfen wir jetzt ausnahmsweise mal benutzen - ganz Berlin. Stell Dir mal vor, wie das stinken würde!“.

WVM: Wie hat er reagiert?

Steffen:Er fand das schon beeindruckend, meinte dann aber relativ cool, dass die Menschen manchmal einfach ganz schön dumm sind.

WVM: Was hättest Du für einen Vorschlag für die Politiker. Wie könnte man dafür sorgen, dass sich nicht nur einzelne Individuen mit dem Thema beschäftigen und es weitreichender thematisiert wird? „Wir müssen von diesen Großbetrieben wieder wegkommen!“

Steffen: Ich glaube, dass größte Problem besteht darin, dass wir grundsätzlich von den Großbetrieben wegkommen müssen. Allerdings müssten dazu auch mehr Anregungen von Seiten der EU kommen, das auch zu fördern. Es gab mal diese Dokumentation, in der es um Lebensmittel weltweit ging. Darin wurde auch ein Landwirt aus Indien gezeigt. Er erzählte, dass er jetzt nicht mehr von Monsanto kauft. Er hatte sich im Rahmen eines Projekts beraten lassen und auf bio umgestellt. Den Teilnehmern des Projekts wurde erklärt, wie ihr Hof als Kreislauf funktioniert, der dazu in der Lage ist, große Erträge in hoher Qualität zu erwirtschaften. Auch so Dinge wie, wie man selbst Dünger herstellen kann, wurden ihnen gezeigt. Ich fand das sehr einleuchtend und im wahrsten Sinne des Wortes vorbildlich. Ich glaube, im Kern geht es darum, weltweit eine andere Ausrichtung zu etablieren. Hin zu mehr Gemeinschaftlichkeit und weg von Gier, Turbokapitalismus und sinnlosem Konsum. Und das trifft auch auf die Politik zu. Kleine politische Lösungen werden uns nicht retten. Auch auf die Gefahr hin, dass ich damit darauf herumreite: Vor allen politischen Lösungen muss sich das Bewusstsein ändern und aus diesem Bewusstsein heraus sollten dann politische Entscheidungen entstehen. Ich denke, dass Wichtigste auf dem Weg dahin ist es, eine Veränderung in der Bildung zu erwirken.

WVM: Wir Menschen müssen also alle achtsamer werden?

Steffen: Absolut.

WVM: Mehr miteinander reden könnte doch schon was bringen, oder?

Steffen: Definitiv. In der Politik geht es eben viel um Machtinteressen, Machterhalt und solche Dinge. Da muss man sich doch nur mal eine Polit-Talkshow ansehen. Das sind oft keine Unterhaltungen mehr, dazu bräuchte man eine grundlegend andere Gesprächskultur. Die müsste viel weniger auf Selbstdarstellung oder auf das Darstellen der Position der Partei ausgelegt sein. Die Parteivertreter sollten sich vor allem erst mal gegenseitig zuhören und Mitgefühl entwickeln für das Leid und die Probleme, über die sie sich austauschen. Im Anschluss könnte man dann über gemeinsame Lösungsansätze nachdenken. Das wäre doch mal was.

WVM: Steffen, weil Du so ein großer Tierfreund bist, würde ich Dir abschließend gerne eine etwas leichtere Frage stellen: Hast Du ein Lieblingstier?

Steffen: Nur eins? Darf ich auch drei nennen? Delfin, Pferd und Gorilla.

WVM: Und welches von den dreien wärst Du gerne, wenn Du es Dir aussuchen dürftest?

Steffen: Am liebsten wäre ich... (überlegt). Also ich schwanke ein Bisschen zwischen Pferd und Gorilla, aber am liebsten wäre ich glaube ich ein Gorilla.

WVM: Vielen Dank für das Interview!

 

Interview: Markus Megyeri, Sven Dehner